Zunächst eine kleine Lobhudelei auf meinen Satellitenempfänger:
Das GPS 72 von Garmin ist meiner Meinung nach ein ideales Gerät für Chartersegler: Es ist bei einer Größe von etwa 16x7x3 cm nicht auf minimale Abmessungen hin optimiert, sondern auf gute Bedienbarkeit (selbst mit Handschuhen) und gute Ablesbarkeit des Displays. Dennoch ist es so kompakt, dass es im Gepäck nicht stört. Das Bedienkonzept ist durchdacht, und die Datenfelder der Anzeige können auf einfache Weise nach eigenen Wünschen kombiniert werden. Wer einen Laptop sein eigen nennt und elektronische Karten verwenden möchte, kann dafür die NMEA-Positionsdaten des Empfängers nutzen. Das Gerät ist vollständig wasserdicht und gehört mit einem Preis von rund 200 Euro (in Deutschland) zu den günstigeren Angeboten.
Im gleichen Gehäuse bietet Garmin neben dem GPS 72 eine ganze Reihe von weiteren Empfängern an (GPS 76, GPSmap 76, GPSmap 76S, GPSmap 76C, GPSmap 76CS). Diese Geräte sind allerdings wesentlich teurer, ohne für den Segler einen deutlichen Mehrwert zu bieten: Zur sinnvollen Nutzung elektronischer Seekarten ist das Display schlicht zu klein, und das angebotene Kartenmaterial ist von zweifelhafter Qualität. Allenfalls das GPS 76 (ohne »map«) wäre noch eine Empfehlung wert, da es dank seines höher auflösenden Displays neun anstelle der sechs Datenfelder des GPS 72 gleichzeitig anzeigen kann. Außerdem bietet es eine Buchse zum Anschluss einer externen Antenne, was bei der Verwendung unter Deck (insbesondere bei Stahlschiffen) entscheidend sein kann. Leider ist das GPS 76 aber dank seines weißen Gehäuses recht hässlich ;-)
Natürlich bieten die Hersteller von GPS-Geräten verschiedene Halterungen fix und fertig an. Im Falle meines Garmin waren mir diese aber erstens zu klapprig (da selbstverständlich aus Vollplastik), zweitens nicht universell genug anzubringen und drittens zu teuer. Es blieb der Selbstbau.
Das so montierte Gerät hat sich schon auf vielen Törns bewährt – obwohl meist wesentlich raffiniertere Bordelektronik vorhanden war. Aber mit einem mitgebrachten GPS ist einerseits für Redundanz gesorgt, andererseits ist man mit dessen Bedienung bestens vertraut.
Hier die Halterung solo.
Die Schale ist aus 2 mm starkem Alublech gekantet. Zum einen, da Aluminium weitgehend korrosionsbeständig ist, zum anderen, da es sich mit »Hausmitteln« (Säge, Feile, Hammer, Bohrmaschine, Schleifpapier) recht einfach verarbeiten lässt. Außerdem hatte ich das Blech noch in meinem Materialfundus.
Ansicht der Rückseite.
Zu erkennen ist der zentrale Befestigungspunkt, der durch eine Edelstahlscheibe zusätzlich verstärkt wurde. Die Befestigung sitzt genau hinter dem Tastenfeld des GPS, so dass bei der Bedienung nur minimale Drehmomente übertragen werden müssen.
Dem Anschluss ans Bordnetz dient ein Ausschnitt, der den Zugang zur Buchse des Geräts freigibt.
Der obere Teil des GPS-Gehäuses steht knapp 4 cm über, da in diesem Bereich die Antenne des Geräts untergebracht ist. Die extrem schwachen, kurzwelligen GPS-Signale würden anderenfalls durch das Aluminium vollständig abgeblockt.
Detailansicht der Schalenrückseite und des Befestigungselements.
Der Empfänger wird in der Halterung mittels Gummileine (Ø 4 mm) fixiert. Bei der Verstärkungsplatte am Befestigungspunkt handelt es sich um eine extra große Unterlegscheibe (Ø 25 mm), dreifach verschraubt und zusätzlich mit Zweikomponentenkleber verklebt. Auf die Verschraubung hätte man wohl auch verzichten können …
Für das Befestigungselement habe ich verwendet:
Alle Teile sind aus seewasserfestem Edelstahl A4.
Die Ringschraube ist in der Hülsenmutter verkontert und mit Schraubensicherung zu einer Einheit verbunden. Die Schelle ist zum Schutz des Befestigungsrohrs mit Schrumpfschlauch ummantelt. Da die Schelle in zwei Achsen drehbar ist, kann die Halterung an praktisch jedem Rohr passenden Durchmessers angebracht und beliebig ausgerichtet werden; außerdem kann die Halterung bei Gewalteinwirkung in jede Richtung nachgeben. Zur Montage an Bord ist lediglich ein 4 mm Inbusschlüssel nötig.
Und zum Dessert: Kabelsalat.
Ich habe zwei Anschlusskabel für den Empfänger – das eine 2 m, das andere 8 m lang (reicht von der Steuersäule in die Naviecke). An einem Ende befindet sich jeweils der GPS-Stecker, am anderen Ende der Stecker fürs Bordnetz samt Datenausgang. Die Kabel sind vierpolig, so dass sowohl die Stromversorgung als auch der Datenaustausch über ein und das selbe Kabel erfolgt (Adern für Masse, 12 V, Rx, Tx). Das Datenkabel (rechts unten) kann bei Bedarf direkt am Bordnetzstecker (also typischerweise am Navitisch) angeschlossen werden.
Hier die Stecker nochmal größer:
Garmin verwendet eigene vierpolige Stecker (links unten); diese gibt es von Pfranc (deutscher Partner) aber auch zum selbst anlöten. Stecker und Kabel sind bei selbst konfektionierten Strippen natürlich nicht hermetisch verspritzt, so dass das Salzwasser im Laufe der Zeit leider merklich Tribut fordert; das Einfetten von Kontakten und Schraube bremst den Verfall zumindest. Zusätzlich habe ich die Stecker mit selbstvulkanisierendem Gummiband abgedichtet (auf den Bildern noch nicht sichtbar).
Die verwendeten Bordnetzstecker passen sowohl in Zigarettenanzünder-Normbuchsen, als auch (nach Entfernen des roten Bajonettrings) in die kleineren »Camping«-Dosen. Als sehr praktisch hat sich die Kontroll-Leuchtdiode auf der Stirnseite des Steckers erwiesen.
Die Verbindung zwischen Bordnetzstecker und Datenkabel erfolgt durch einen 3,5 mm Stereo-Klinkenstecker. Einerseits ist die entsprechende Buchse schön klein, andererseits hatte ich das passende Kabel (3,5 mm Klinke auf Sub-D-Stecker) schon.
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